Zweimal ins Universitätsklinikum Elsterwerda bitte!
Artikel ausdruckenGeschrieben von Falco in Allgemein, Neuigkeiten, Zeitgeschehen am 24.06.08
Nachdem ich gestern meinen schönen langen Nachmittag damit verbracht habe, nochmal mit dem Zug nach Kirchhain und wieder zurück nach Potsdam zu fahren, habe ich wieder eine Geschichte mitbekommen, die nur das Leben schreibt.

Zwei ältere Herren, bepackt mit einem Sixpack Plastebier, saßen im Abteil gut zwei Reihen hinter mir. Klischeehaft erfüllten sie alle Anforderungen, um auch bei einschlägigen Dokusoaps wie “We are Family” ect. mitwirken zu können. Auf Deutsch: Sie kamen sichtbar aus dem “Hartz IV und niedriger” - Milieu. Jedenfalls laberten sie ein Haufen Müll von ihren letzten Schlägereien und wie sie gerade noch das Bier für die Zugfahrt kaufen konnten.
Als dann der Schaffner kam, hörte ich eine Ausrede, wo ich im ersten Moment kurz schmunzeln musste. Der eine Herr, schon hörbar alkoholisiert, meinte auf die Frage des Schaffners nach den Fahrkarten:
“Ähm, ja, wir haben noch keine Karte. Denn ich muss in das Universitätsklinikum Elsterwerda, da hier im Elsterweg oder Elsenweg oder wie die Straße hieß. Deswegen konnten wir keine Karte mehr kaufen. Ich muss da heute noch untersucht werden”
Dann haben sie irgendwie ihre Ausweise abgegeben, so dass der Schaffner ihnen irgendwie die Karten ausgestellt hat. Wie weiß ich nicht, bezahlt haben sie jedenfalls nicht. Es kam dann nur noch der Kommentar: “Machen Sie es nicht so teuer“
Währendessen telefonierte der Mann ständig mit einer Frau, die seine Freundin? zu sein gewesen scheint. Sie wollte ihn abholen - mit dem “Alten” - scheinbar ihr Vater. So wie man dann auch aus gut 5m Entfernung mitbekommen hat, hat unserem Zugfahrgast das so gar nicht gefallen und er pustete sich am Telefon extremst auf, “Der soll ja heme bleiben, sonst gibt’s was“. Sein Kumpel bestätigte ihn in seiner Androhung. Nun ja - wie gesagt, der Schaffner stand die ganze Zeit noch daneben, was diese Theorie des Aufenthalts im Universitätsklinikum schon etwas dahin schwinden ließ.
Danach musste der Schaffner, der jetzt schon gut 10min dort stand, eben raus und in die Pfeife pusten, dass der Zug weiterfährt. Als er weg war, der Griff zur Flasche (die zuvor gut unterm Sitz versteckt worden war). Da meinte der Freund des Mannes noch, dass er das nicht machen sollte. “Wenn das der Schaffner sieht…“. Darauf erwiderte er nur “Hat er doch eh schon” - Höh? Irgendwie passte das ja nicht zusammen.
Schließlich bekamen sie dann ihre Karte. In dieser Zeit hatte er noch gefühlte zehn Mal mit seiner Freundin telefoniert und wollte nun vom Schaffner wissen, wie er denn von Elsterwerda nach Gröditz kommt? Der Schaffner guckte leicht verdutzt und suchte ihm eine Verbindung raus. Danach fragte er noch wann sie denn dort ankommen würden. Insgesamt stellte er die Frage bestimmt fünf Mal, weil er es irgendwie nicht gerafft hat.
Schlussendlich verzog sich dann der Schaffner und die beiden konnten sich wieder ihren Unterhaltungen zuwenden. Wie der eine die andere mal umbringen wollte und er dann eine aufs Maul bekommen hat, sodass er die nächsten Tage mit Sonnenbrille im Winter arbeiten musste, und wie er dem und dem mal fast alle Knochen gebrochen hätte - usw. Das letzte Highlight war dann noch der letzte Anruf der Frau: Sie bringe den “Alten” jetzt nach Preußen. Darauf der Freund “Preußen? Du meinst wohl Prösen?” - “Ach ja *lach*“. Am Ende stellte sich heraus, das die beiden gar nicht in die Universitätsklinik wollten (welch Überraschung!), sondern einfach nur günstig in die alte Heimat. Irgendwie hatte es am letzten Abend Streit und Klopperei gegeben und der Mann ist von seiner Frau abgehaun. Nun wollten sie sich wieder vertragen, aber nur wenn der “Alte” nicht da ist. Die Leute werden einfach immer kreativer, wenn es um das Belügen des Schaffners geht.
Nun ja, ich widmete mich danach wieder meinen Studien. Eine jedenfalls sehr amüsante und sogleich interessante Zugfahrt. Vom RE 3 in den Blog - in die ganze Welt.
(Und das Foto gab’s bei flickr.com)

Bisher 11 Kommentare
Alle drei Kategorien für diesen Text sind leider falsch, die richtige wäre: Situationskomik. Und somit irgendwie nicht lustig, wenn man nicht dabei war.
Und ohne jetzt auf der pc rumzuhacken, aber der Begriff “Hartz IV und niedriger” - Milieu … naja.
(Uhlecks, mal wieder nur am Meckern und Klugscheißen, schlimm)
wir sassen sonntag mit daweed und lucA Tino im zug nach berlin
da machte ich ausversehen das rollo kabutt
dann haben sich 2 älterre herrschaften zu uns gesetz und haben gefregt ob wir vom baden kämen , weil wir ja kurze hosen anhatten , obwohl es 30 Grad draussen war
HAHAHA , haben wir gelacht
hehe
Ich fand’ den Artikel eigentlich ganz brauchbar - Keine Situation, die ich für relevant halte, aber doch ganz nett zu lesen. Die von Sascha schon beschriebene Phrase
provoziert aber auch bei mir ein “Folka-verdient-mal-richtig-eins-in-die-Fresse”-Denken, ich vermute aber mal, dass das auch geplant war. Richtiger wäre wohl ein Vergleich mit Mike (oder Maik) Zager - Den hatte ich nämlich das ganze Leseerlebnis über im Kopf.
Aber so ein zerstörerisches Über-einen-Kamm-scheren von Hartz-IV-Beziehern (dazu gehörten ja von uns auch schon welche - Torsten, Willi, Berliner WG [glaub ich]) ist schlichtweg falsch und schießt (weit, weit, weit) übers Ziel hinaus.
@ Schebber: Lern’ endlich die deutsche Rechtschreibung! Bitte! (Ich bringe dir am Wochenende mal den Grammatik-Duden mit)
Ach, ich find sowas gar nich so schlimm. Man weiß worum es geht (bei solchen Bezeichnungen) - sicher, der ein oder andere bekommt das auch gerade, aber das ist ja auch nur zwischendurch…naja… Viel Worte um nichts - ein wenig “provokanter Humor” hat noch niemandem geschadet!
PS: Ausländer raus!
Wie bezeichnet man sonst diese Sparte Menschen, die tagsüber meist unter Alkoholeinfluss auf Kosten von Vater Staat leben und nicht in die Pennerkategorie passen. Diese Leute, die zu Vera am Mittag fahren, nur um mal günstig an neue Klamotten zu kommen? Ich war mir ersthaft nicht schlüssig darüber.
Natürlich sollte das kein Vorwurf an viele Leidensgenossen der Hartz IV Gesellschaft sein. Immerhin bin ich auch vom Staat abhängig und würde ohne mein BAFöG nicht über die Runden kommen
Ich glaub “Leute, die zu Vera am Mittag fahren” passt schon sehr gut ! :- )
Ich find die Bezeichnung schon recht mild und gut getroffen… nachdem was ich bis jetzt in Erfurt erlebt hab, kann ich mir ganz genau vorstellen von welcher Sorte “Mensch” (so kann man’s meist wirklich nicht bezeichnen) Falco spricht. Und das schlimme ist ja, dass es zu solchen noch eine Steigerung gibt… tzz… aber ich werd noch ein paar Eindrücke aus dem Polizei-Alltag sammeln bevor meine 2. Homestory folgt. Ich komm grad aus ner völlig stressigen Nachtschicht mit dutzenden solcher bekloppten Suffköppe, Schnorrer, Betrüger, dem-Staat-auf-der-Tasche-Lieger, Randalierer, Nichts-aber-auch-absolut-gar-nichts-zu-tun-Haber, Dreckfressen und Nazi-Typen… man man man… das ist doch alles nicht normal
hehe
Achja, der Beitrag soll keine “Situationskomik” sein, sondern Sozialkritik!
Achja…. Homestories…. das waren noch Zeiten…
(!!!)
wir sitzen dran
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