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Kontrovers: Sind unsere Lehrer überlastet?

Artikel ausdruckenGeschrieben von Falco in Zeitgeschehen am 24.05.07

In Anlehnung an unserer wohl gescheitertes “Polylux auf dark2k”-Projekt befassen Domi und ich uns heute mit dem schwierigen Thema ob unsere Lehrer überlastet sind. Dabei sind zwei konstruktive und durchaus verschiedene Beiträge zu dieser Kontroverse entstanden. Lest einfach selbst!

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Nun, wir haben in der Schule keine Prügelstrafe mehr, das Fernsehen wurde eingeführt und in jüngster Zeit auch das Internet.  Medien quasi… Was zu klären bleibt: Waren Schüler früher motivierter? Ist höherer Unterricht (an der Notwendigkeit elementaren Unterrichts zweifelt ja keiner) überhaupt noch nötig, wenn ein Schüler sich in seinen Interessengebieten sowieso auch „online“ fortbilden kann (wikipedia.org ist da ja sehr anschaulich)?

Ein Lehrer hat durchschnittlich 4 Klassen zu betreuen (wenn es gut kommt). Da rechnen wir einen gymnasialen Schnitt von 25 Schülern/Klasse. Das macht 100 Schüler insgesamt. Pro Bericht braucht der Lehrer ca. 1 Stunde (von schriftlichen Notizen, über die Beratung mit anderen Lehrern bis zum Verfassen der Bewertung). Das wären dann 100 Stunden zusätzliche Arbeit am Jahresende

  • Sind unsere Lehrer überfordert / -strapaziert?

Hmm, kann man Lehrer überstrapazieren? Klar kann man das. In dem man Klassenräume mit zu vielen Schülern zumüllt und diese sich zusätzlich noch überhaupt nicht mehr um die Schule kümmern, ihnen das Gelernte quasi am Arsch vorbeigeht. Aber die Schuld dafür ist sicherlich nicht bei den Schülern zu suchen, denn diese werden ja primär durch ihre Umgebung konditioniert. Viel mehr muss man die Schuld also Anderen zuweisen. Hier fallen mehrere Motoren ins Gewicht: So sehe ich da natürlich (wo auch sonst?) die Schuld bei den Massenmedien (…Gewalt…Blut…Pornographie…wir kennen alles…), nur ist es auch hier wieder zweifelhaft die Schuld in dieses Paar Schuhe zu stecken und damit alles Andere auszuschließen. Womit wir beim Thema „Erziehung und durch wen sie erfolgt“ angekommen wären. Auch hier kann ich wieder verallgemeinern und sagen: Die Eltern sind die Primärerzieher und wären damit auch erster Schuldträger der oft genannten „Unlust“ der Schüler. Und das kann man sicher auch mit Berechtigung sagen. Was ist denn in den letzten 50 Jahren passiert (meiner Meinung nach ein angemessener Betrachtungszeitraum): Nun, wir haben in der Schule keine Prügelstrafe mehr, das Fernsehen wurde eingeführt und in jüngster Zeit auch das Internet.  Medien quasi… Was zu klären bleibt: Waren Schüler früher motivierter? Ist höherer Unterricht (an der Notwendigkeit elementaren Unterrichts zweifelt ja keiner) überhaupt noch nötig, wenn ein Schüler sich in seinen Interessengebieten sowieso auch „online“ fortbilden kann (wikipedia.org ist da ja sehr anschaulich)?

Die Antwort ist klar ja. Denn nur durch geschickten Unterricht kann man Schüler überhaupt erst auf die elementaren Themen der Wissenschaft aufmerksam machen. Womit wir beim eigentlichen Problem wären, denn hier gibt’s mit der Anfangshypothese zusammen einen Zirkelschluss: Die Lehrer sind überstrapaziert, weil überstrapazierte Lehrer unproduktive, interesselose und destruktive Kinder produzieren. Also kann die Ursache wohl doch nur im Lehrer selbst begründet liegen! Also kann ein guter Lehrer niemals überstrapaziert sein, damit wäre er nämlich ein schlechter Lehrer. Natürlich hat man als (Gymnasial-)Lehrer das Problem, auf seine Kollegen angewiesen zu sein, was die Vor- (Grundschul-) und Neben- (Lehrer neben der eigenen Lehrerexistenz, die andere Fächer unterrichten) –Sozialisation betrifft, allerdings hat man durch inspiriertes Unterrichten immer auch die Möglichkeit, Schüler wieder auf eine gerade Bahn zu bringen. Mietzel sieht das dementsprechend ganz richtig, er sagt, dass es die Aufmerksamkeit des Schülers sehr stark vom Mitreißfaktor des Lehrers, seinem Charisma und seinem echten Interesse für ein Thema kommt. Nur ein motivierter Lehrer wird auch einen motivierten Schüler hervorbringen. Lehrer, die sich überstrapaziert fühlen, sind also vermutlich einfach nur nicht dazu in der Lage, zu lehren!

Domi

  • Sind unsere Lehrer überlastet?

Kaum eine Berufsgruppe muss sich so sehr mit Vorurteilen und Beschuldigungen herum plagen wie unsere Lehrer. „6 Wochen bezahlten Urlaub und nur 4h am Tag in der Schule, so ein Leben möchte ich mal haben“, hört man nicht selten in der Öffentlichkeit. Doch was steckt dahinter?

Ich geh einfach mal objektiv an die Sache. In der Öffentlichkeit wird immer wieder gefordert, dass sich die Lehrer noch intensiver um jeden Schüler kümmern sollen. Nicht nur der Unterricht, sondern auch die Erziehung soll im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Doch vielen ist gar nicht bewusst, wie viel der Lehrer für seinen Beruf leisten muss. Es ist ja nicht nur das Aufstehen, in die Schule gehen, eben mal unterrichten, nach Hause fahren und der Tag ist beendet. Nein.
Es geht los mit der Unterrichtsvorbereitung, der Unterrichtsdurchführung, der Gespräche mit den Schülern und den anderen Lehrern während der Pausen und nach dem Unterricht, das Engagement für AG’s und Nachhilfegruppen, welche sie den Schülern als Chance anbieten sich qualitativ zu verbessen, dann folgt zuhause das Aufarbeiten des Tages, pädagogische und unterrichtliche Analysen erstellen (dazu gehört zum Beispiel auch das Korrigieren von Arbeiten), dann geht es an die Konzepterstellung für den Unterricht am folgenden Tag und nicht zu letzt ist der Lehrer ja gefordert sich in regelmäßigen Abständen fortzubilden. Das Besuchen von Weiterbildungen neben dem Lesen von Fachbüchern, das ständige Auffrischen von didaktischen Fähigkeiten und Mitteln sowie die Erschließung der täglichen Presse sind nur einige Teilaspekte die in diese Kategorie fallen.

Und das waren lang noch nicht alle Aufgaben, mit denen ein Lehrer täglich belastet wird. Dazu kommen noch etliche andere Verpflichtungen. Nun wird immer wieder der größere individuelle Bezug gefordert. Beispiel: Am Jahresende ein für jeden Schüler erstelltes Schreiben, indem der Lehrer die Kompetenzen, das Verhalten und die Leistungen des einzelnen Schülers bewertet.
Halten wir uns mal an diesem Beispiel fest und rechnen diese Theorie mal hoch. Ein Lehrer hat durchschnittlich 4 Klassen zu betreuen (wenn es gut kommt). Da rechnen wir einen gymnasialen Schnitt von 25 Schülern/Klasse. Das macht 100 Schüler insgesamt. Pro Bericht braucht der Lehrer ca. 1 Stunde (von schriftlichen Notizen, über die Beratung mit anderen Lehrern bis zum Verfassen der Bewertung). Das wären dann 100 Stunden zusätzliche Arbeit am Jahresende (also in einem Monat). Da er ja auf
jeden Schüler speziell eingehen muss schafft er am Tag max. 1-2 Bewertungen, was das für ein zusätzlicher Mehraufwand währe. Fast undvorstellbar! Jedes Gewerkschaftsmitglied wäre bei so einer Zahl sofort mit der Streik-Weste vor dem Betrieb zu finden.
Was will ich zusammenfassen sagen: Eine Entlastung der Lehrer ist meiner Meinung nach unbedingt nötig. Durch eine solche könnte man den individuellen Förderungs- und Lernprozess vorantreiben und die Leistungen sowie Sozialkompetenzen jeden Schülers steigern. Zudem Bedarf der Beruf des Lehrers in der Öffentlichkeit einer deutlich höheren Anerkennung.

In diesem Sinne,

Falco

Bisher 7 Kommentare

Sascha am 24. Mai 2007 um 21:59 Uhr

Lehrer sind auch nur Menschen. Und es kommt ja immer auf den Typ Mensch an … ich meine: Wirkte Herr Schink überlastet? Nein. Wirkte Frau Müllet (Tatjana) überlastet? Immer.

Und davon abgesehen … natürlich ist es viel Aufwand, Mühe, Zeit und Arbeit, die man als Lehrer investieren muss mit diesem Pack von Kinder und Jugendlichen. Aber hey … was wird man auch Lehrer, in Zeiten, in denen die Prügelstrafe abgeschafft ist und man diesen verzogenen Gören nichtmal ordentlich den Arsch versohlen darf?

schebber am 24. Mai 2007 um 22:10 Uhr

mensch überlegt doch mal , wie human man hier auf dem Land ruhigen unterricht gemacht hat , und wenn man sich überlegt ,was so in der Grossstadt abgibt , dann viel spass als Lehrer

Frau Müller oder gar Frau Rasch , welche ja nur noch vom Thema abweichen würde.

als Lehrer kann man sich es aber auch leicht machen , siehe herr Trossert

Julian am 25. Mai 2007 um 14:33 Uhr

Ich spreche meinen vollsten Respekt an diejenigen aus, die es sich in der heutigen Zeit zum Ziel gesetzt haben, Lehrer zu werden… So auch Falco und Domi. Denn wie Domi richtig sagt, hat man es oftmals mit zugemüllten (gute Wortwahl ;) ) Klassen zu tun, in denen viele desinteressierte Schüler sitzen. Hierbei spielt wie Domi auch richtig sagt das soziale Umfeld eine wichtige Rolle - wenn nicht sogar die wichtigste.
Dennoch ist es am lehrenden selbst, wie er mit derartigen Klassen umgehen kann. Eine gewisse “Coolness” ist heutzutage glaub ich das Wichtigste im Umgang mit diesen aufmüpfigen Bengels. Hierbei spreche ich jedoch, wie schebber schon sagte, eher von der Großstadt, da es sich in ländlichen Gegenden wie bei uns noch in Grenzen hält mit solchen Verhaltensweisen unter den Schülern.
Was ich eigentlich damit sagen möchte, ist das was alle schon vorher gesagt haben… es kommt auf die Art und Weise an ob ein Lehrer fähig ist den Schülern etwas beizubringen.
Sind Folka und Domi wirklich in der Lage Lehrer zu werden?… kleiner Scherz ;)

Susann am 6. Juni 2007 um 11:04 Uhr

Da ich nur stiller Leser dieser Homepage bin, muss ich doch jetzt mal meinen Senf dazu geben. Ich (Sebs Schwester) bin schon einen Schritt weiter als Domi und Falco und bereits im Referendariat nicht nur am Arsch der Welt sondern sogar noch dahinter. Ich bin in diesem Nest an einer Grund- und Hauptschule und ich kann euch sagen, da ist auch ziemlich was los. Zwar sind die Hauptschulklassen nicht so “zugemüllt” (nur 10-15 Schüler), aber dafür reichen die paar die drin sind aus. Und eines kommt auch noch hinzu: Die Fahrstrecken die man als Ref zurücklegen muss (Schule - Seminar, Seminar - nach hause etc.) und das mind. 3 mal die Woche. Ganz schöner Stress und dann muss man auch noch guten Unterricht vorbereiten. Man ist am Anfang ja noch ziemlich motiviert und will einen super Unterricht machen. Und ich sage mal nichts zur Bezahlung. Also, ich denke mal das man unter Einbezug von Domis und Falcos Argumenten als Fazit sagen kann, dass uns die Ferien (als bezahlter Urlaub ;-) ) als Ausgleich für den Stress und die BElastung zustehen. ;-) Im übrigen sind in BaWÜ gerade Ferien und ich bin nicht am Strand etc. sondern sitze am Schreibtisch und bereite meinen Unterricht vor. ;-(

Domi am 11. Juni 2007 um 08:46 Uhr

Link Süddeutsche Zeitung –> hab ich nur gerade gesehen ;-)

Peter R. am 15. Juni 2007 um 11:36 Uhr

Ich mache zur Zeit Prkatikum im Hort und betreue Kinder aus der Berggrundschule. Von daher kreige ich das ein oder andere über Erzählungen usw. mit.
Ich möchte anmerken das in Dob-Kirchhain (Bergrundschule) auch viele Lehrer überlastet sind und eine vernünftige Pausenaufsicht nicht gewährleistet ist. Eigentlich bräuchte man 2 Leher dazu, aber meistens steht nur eine Lehrkraft auf dem Pausenhof. So wird diese aufsichtspflicht auf die Erzieherinnen abgewälzt, die eigentlich zu diesen Zeitpunkt gar nicht zuständig sind. Des weiteren würde ich nicht behauptet, das hier auf dem “Land” es weniger Problemkinder gibt. Wenn ich an meine Grundschulzeit zurückdenke, hatten wir ca. 3 “Rabauken” in der Klasse. Zusätzlich noch einen Schüler der massiv den Unterricht gestört hat (Sehb wird wissen wen ich meine). Ich finde, dass heute es wesentlich mehr Grundschüler gibt, die störend auf den Unterrichtsverlauf einwirken und damit auch “bessere” Schüler behindern, da die Lehrerin nicht effektiv unterrichten kann. 1 ADHS Kind in der Klasse und 2 die ziemlich leistungsschwach sind und daher keinen Bock haben, lassen das Unterrichtsniveau merklich absinken. Zudem brauchen manche leistungsschwache Schüler ein ganz anderes Unterrichtskonzept, was dann nicht zum Rest der Klasse passen würde.
Fazit: Einige Kinder sind nicht schulfähig, habe schlechte sozialen Kompetenzen und behinderndadurch den Unterricht
=> Lehrer haben eine deutliche Mehrbelastung und müssen geduldig und einfühlsam auf die leistungsschwachen Kinder eingehen=> Habe großen Respekt vor guten motivierten Lehrern

Peter R. am 15. Juni 2007 um 11:39 Uhr

Ach hab den Text grad nochmal durchgelesen. Man is das ne schlechte Rechtschreibung. Verzeihung! Das kommt davon, wenn man im Unterricht nachrichten schreibt und gleichzeitig sich auf’s Thema konzentriert

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